
Prägnant, kundig - befriedigend! - Botzenhart hat einen erklärungsmächtigen Abriss der deutschen Geschichte zwischen der großen französischen und der ersten deutschen Revolution verfasst. Dieser Abriss zeichnet sich besonders durch seine außergewöhnliche Pointiertheit aus (ca. 160 relativ groß bedruckte Seiten - ungewöhnlich für Suhrkamps Neue historische Bibliothek), die gekonnt die Brücke schlägt zwischen abstrahierenden strukturellen Betrachtungen und einer zwar rudimentären, aber letztlich erschöpfenden Ereignisgeschichte.Alle eventuellen Schwächen dieser Darstellung beruhen auf diesem Zwitterwesen: Beizeiten wirkt die Rekapitulation äußerlicher historischer Wendepunkte gerade im außerdeutschen Raum (z.B. die Julirevolution 1830) arg abgekürzt und widerstrebt so nicht selten dem verstehenden Nachvollzug des Geschehens. Andererseits verzögern längere faktengeschichtliche Passagen (wie die territorienspezifischen Effekte der Julirevolution in Deutschland) das Ineinandergreifen der struktur- und auch ideologiegeschichtlichen Einordnungen.In solchen bewertenden, erklärenden Reflexionen liegt die große Stärke des Bandes. Wussten Sie den Unterschied zwischen Metternichs politischen Konzeptionen und denen des politischen Konservativismus? Wo berührten sich Konservativismus und Liberalismus, wo standen sie sich unversöhnlich gegenüber? Worin bestand die Krux des konstitutionellen deutschen Liberalismus zwischen aufgeklärtem Gleichberechtigungspostulat und philiströser Mittelstandsideologie, und inwieweit war diese bereits vor 1848 erkennbar oder gar geschichtsmächtig? Solcherlei Anliegen wird Botzenharts Essay in höchstem Maße gerecht.Insgesamt sehr empfehlenswert!